Dies hat ein Faustballneuling geschrieben, aber verzweifelt nicht!!!!!!!:

Mein erstes Mal... Heute: Faustball.

Das Objekt der Begierde.

Zum Glück: die Schwellung ist wieder zurückgegangen. Doch auch drei Tage nach meiner Faustball-Premiere schmerzt mich die rechte Hand noch immer. Inzwischen fühlt es sich an wie Muskelkater und die ehemals blauen Flecken am Unterarm gehen langsam ins grün-gelbliche über. Ich esse auch wieder mit Gabel und Messer und muss ein Glas Wasser nicht mehr zwingend mit der linken Hand festhalten. Es hätte wirklich schlimmer kommen können.

Als ich am Freitag die Miniausgabe des Hohenschönhausener Wellblechpalastes in der Adalbertstraße betrat, empfingen mich neben Anja Palisch, der Pressefachwärtin des Berliner Faustballverbandes, auch die Spielerinnen und Spieler des SSV Rotation zu meinem Schnuppertraining. Dabei hätte ich schon kurz nach der Begrüßung wissen müssen, dass der Abend ein schmerzhaftes Ende nehmen würde. Ich war nicht der einzige Neuling.Mit ernstem Gesicht und Verbandszeug in der wie zur Warnung erhobenen Hand erklärte mir Zuspielerin Gabi Bringmann: "Wickeln Sie sich das lieber um den Arm. Beim ersten Mal kann man sich beim Faustball ganz schön wehtun." Warum, merkte ich als ich mit dem Spielgerät Bekanntschaft schloss, das schwerer als ein Volleyball und beinahe so hart wie ein Fußball ist. Daher mein gutgemeinter Ratschlag an alle Faustball-Neulinge: seid cleverer als ich und spielt besser in einem langärmligen Shirt. Das Ziel beim Faustball besteht darin, den Ball möglichst unerreichbar für den Gegner in dessen Halbfeld zu platzieren. Der Sport ähnelt damit auf dem ersten Blick dem Volleyball, allerdings darf der Ball zwischen den maximal drei Berührungen der im Angriffsrecht befindlichen Spieler jeweils einmal auf dem Boden aufspringen. Statt eines Netzes dient beim Faustball eine etwa zwei Meter hohe Leine als Abgrenzung zur gegnerischen Seite. Immer feste drauf.Markant ist außerdem die Art des Schlagens. Benutzt wird dafür entweder die Faust (Aufschlag und Offensivaktionen) bzw. der Unterarm (Abwehr und Zuspiel). Und damit fangen die Schmerzen an, denn den Ball zu beschleunigen erfordert einiges an Kraft und insbesondere beim Aufschlag wird dafür die Faust-Oberseite stark beansprucht. Es hat bei mir gerade einmal zehn Minuten gedauert, bis die Rötungen an Hand und Arm sichtbar wurden. Natürlich hätte ich sofort aufhören können, dann aber auch einiges an Spaß verpasst. Denn Faustball ist ein sehr kurzweiliges Spiel, in dem es schnell hin und her geht und man sich ohne Kommunikation untereinander alsbald über den Haufen rennt. Und bevor jemand fragt: nein, dass ist mir nicht passiert. An meiner Seite befanden sich schließlich "Profis". So spielen zum Beispiel die Damen von Rotation in der Verbandsliga eine mehr als gute Rolle, wenn bei ihnen auch eindeutig das Vergnügen an der sportlichen Betätigung im Vordergrund steht.

Sieht gar nicht so schlecht aus...Obwohl Deutschland als Heimat des Faustballsports gilt und die Nationalmannschaften in der Freiluftvariante bei Weltmeisterschaften regelmäßig Medaillen abräumen, ist das Spiel hierzulande nur eine Randerscheinung. "Faustball findet in den Medien nicht statt", bedauert Anja Palisch den Stellenwert ihrer Sportart und weist auf die Folgen hin: "Uns geht langsam der Nachwuchs aus." Die 30jährige fing in der Schule mit dem Spiel an und blieb ihm bis heute verbunden. Ihre Kollegen von Rotation sind zwischen Mitte 20 und Anfang 50 und meist irgendwie miteinander verwandt. Ehemann, Mutter, Tochter: Faustball ist zumindest beim SSV offenbar Familiensache. Und Neuankömmlinge wie ich werden freundlich aufgenommen und schnell ins Team integriert. Meine ungefähr drei passablen Schläge (bei 50 Versuchen) führten bei den Rotationern zu regelrechten Jubelstürmen und mein letztendlicher Rückzug nach einigen Trainingsdurchgängen wurde mit allgemeinem Bedauern quittiert. Doch schon das Vorzeigen meiner geschwollenen Hand genügte, um sofort verständnisvolles Nicken zu ernten.

Attacke!Dabei ist Faustball natürlich alles andere als gefährlich. Ähnlich wie beim Volleyball muss gelaufen, gesprungen und geschlagen werden. Und wer mit dem Spielgerät umzugehen weiß, kennt den optimalen Treffpunkt genau. Viel mehr als eine leichte Rötung am Arm trägt der "Profi" dann auch nicht davon. Derartige Klasse sucht man bei mir logischerweise vergebens, auch wenn mir am Freitag allenthalben - vermutlich aus reiner Höflichkeit - Talent bescheinigt wurde. Doch Lachen gilt nicht: besser machen. In Berlin gibt es eine ganze Reihe von Vereinen, in denen man Faustball einmal selbst ausprobieren kann. Neben dem SSV Rotation sind hier zuallererst die Bundesligisten VfK 1901, Turngemeinde in Berlin, Stern Kaulsdorf und Berliner Turnerschaft zu nennen. Und Faustball kann man winters wie sommers spielen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die erstmalige Bekanntschaft mit dem Sport in der freien Natur genauso schmerzhaft ausfällt wie in der Halle. Aber auf einen Versuch käme es sicherlich an. Immerhin wüsste ich ja dann schon besser, was mich erwartet...
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